The Toughest Indian in the World Toughest Indian in the World
von



 
Virtuoses Spiel mit dem Klischee
• • • •   (bewertet mit 4 von 5 Punkten)

Sherman Alexies "Toughest Indian in the World" ist ein hervorragender Beleg dafür, dass Literatur von und über ethnische Minderheiten keinen gutmenschelnden Minderheiten-Bonus braucht: Alexie k a n n schreiben, und vor allem: Er hat Geschichten zu erzählen, richtig gute Geschichten. Wahnwitzige, zärtliche, apokalyptische, makabre, sentimentale Geschichten; Geschichten, die nie die Wendung nehmen, die man vermutet. Nur manchmal strapaziert der Autor den Wortwitz über Gebühr.
Die meisten der neun Erzählungen sind eigentlich kleine Road-Movies, und irgendwie geht es immer um Liebe und Entfremdung. Aber kein einziger Satz ist larmoyant oder weinerlich, die Nabelschau unterbleibt. Statt dessen reicht die Skala von der sentimental journey in "One Good Man", die ein Sohn mit seinem todkranken Vater unternimmt und in die immer wieder, unter dem Stichwort "What is an Indian?", Erinnerungen eingeflochten werden, bis hin zum beklemmenden "The Sin Eaters", das ein wenig an Atwoods "The Handmaid's Tale" (dt.: "Der Report der Magd") und Huxleys "Brave New World" ("Schöne neue Welt") erinnert. Gegen wen wendet sich Alexie hier? Gegen die allzu politisch Korrekten, die die "reinrassigen" Ureinwohner nach ihrem Bild formen und erhalten wollen ("You might be a Native American but you sure as hell ain't Indian", erklärt der Vater des Ich-Erzählers von "One Good Man" einem engagierten Dozenten, der seine indianische Abstammung hervorkehrt), oder gegen den Blutdurst der Eroberer? Die Frage bleibt offen.
Allen diesen Erzählungen ist eines gemeinsam: Sie nehmen überraschende Wendungen. Mal witzig, mal brutal -- immer spielt Alexie mit dem Klischee, etwa wenn der Ich-Erzähler von "Class" darüber räsoniert, dass es aphrodisierend auf weiße Frauen wirke, wenn man behaupte, von Kannibalen abzustammen (die banale Wirklichkeit hingegen beeindrucke niemanden), oder wenn er in "Dear John Wayne" John Wayne seinen Kindern sexualpädagogische Vorträge halten lässt. Oder wenn quer durch die Erzählungen das Thema "Deep in the heart of every Indian man's heart, he believes he is Crazy Horse" variiert wird -- der nicht-indianische Leser ist nun gewarnt und weiß: Ihm ist die Rolle von General Custer zugedacht. Vorsicht ist also geboten, denn Alexies Witz ist niemals versöhnlich, sondern aggressiv, stets auf dem Quivive, und bei jedem Nebensatz muss man auf einen Hinterhalt gefasst sein.
Was aber vor allem den Reiz dieser neun Erzählungen ausmacht: Sie spielen mal freundlich-ironisch, mal bitterböse, mal makaber mit dem politisch korrekten Indianer-Bild. Weit und breit keine weisen Schamanen oder spirituelle Traditionen, und auch die sozialkritischen Klischees der Gegenwart, von Alkoholismus bis Red Power, präsentiert Alexie als Konstrukte des weißen Lesers. Er erzählt von Indianern, die sich, jeder auf seine Weise, zu arrangieren versuchen. Nicht allen gelingt das: "The salmon are disappearing" ist eines der beherrschenden Themen in einigen dieser Erzählungen (Die Lachsfischerei ist eine traditionelle Lebensgrundlage der Indianer im Nordwesten der USA und spielt auch in ihrer Kultur eine große Rolle). Pessimismus ohne Larmoyanz.
Eine Rezension von weiser111 >
vom 3. Juli 2005
Kundenrezensionen:
7. Virtuoses Spiel mit dem Klischee (die aktuell angezeigte Rezension)
6. Stories that make you think.
5. Falls short of his previous work...
4. disapointing
Zur Übersicht ...
 
Angebote zu
 ab 1 Euro!

Siehe auch folgende Artikel:
The Bluest Eye.The Bluest Eye.
The House of Mirth (Dover Thrift Editions)
The Woman Warrior: Memoirs of a Girlhood...
The Toughest Man I Know von A Nick Tancraitor Production (in MP3-Downloads)
Second Toughest in the Infants von Underworld (in Musik)
Mehr zu  Genre Fiction,  Literary,  Short Stories,  Native American Studies
Home ...,    
,    Begleitseite ...
Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von

Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum)